Das Storchenjahr 2015 in Hombrechtikon

Das Storchenjahr 2015 fängt in Hombrechtikon gleich mit einem Paukenschlag an. Am 4. Januar bevölkern nämlich zehn Störche das Lutikerried und am 5. Januar stelzen gar deren 15 herum, eine Anzahl, die zu dieser Jahreszeit bei uns noch nie beobachtet wurde. Nach diesem aussergewöhnlichen Storchenauflauf schrumpft aber der Storchenbestand wieder auf die vier bei uns überwinternden Brutstörche zusammen. Rund einen Monat lang trotzen diese einem durchschnittlichen Winterwetter mit einer gedeckten Schneeschicht und Nachttemperaturen von meistens unter 0 °C. Ab Mitte Februar treffen die ersten Rückkehrer ein. Am 26. Februar beträgt der Storchenbestand 22 Individuen. Laut ihren Ringnummern sind es ausser einer Ausnahme die uns bekannten Brutstörche vom Hasel. Auch der die Ausnahme bildende Storch ist uns bekannt. Es ist DER A6548, jener Storch, der während Jahren bei uns gebrütet hatte, dann aber nach Rapperswil auswanderte. Mal schauen, ob er hier bleibt oder wieder nach Rapperswil zurück kehrt.

Horstbezug

Kaum wieder zurück, beginnen die Paare umgehend mit dem Horstbezug und -ausbau. Am 26. Februar sind bereits acht Horste von Paaren besetzt, am 6. März turtelt man schon auf zehn Nestern und auf drei Nestern warten Einzelstörche auf ihre Partner. Zwei Wochen bleibt es danach bei dieser Horstbesetzung. Am 20. März trifft ein weiteres Paar ein und bezieht den Horst «Bäume west unten». Doch lange besetzt es ihn nicht und verschwindet wieder. Ähnliches passiert auch auf anderen Horsten. Verglichen mit den 16 Horstbesetzungen von 2014 zeigt sich zu Brutbeginn folgendes Bild: Vier Horste sind nicht mehr besetzt und ein Horst wird neu gebaut. Auf sieben Horsten brüten die gleichen Paare wie 2014 und ein Paar baut in gleicher Partnerzusammensetzung einen neuen Horst. Auf den übrigen fünf Horsten geschehen folgende Mutationen. «Bäume oben 13»: Der in Spanien verunglückte Brutstorch, HES SG329, wird durch den Jungstorch, HES SH096, 2012 in der Silberweide geschlüpft, ersetzt. «Bäume west 12»: Der Pariser, CK3153, der die letzten drei Jahre bei uns gebrütet hatte, bleibt aus. Er wird durch HES SG948, 2014 Brutstorch auf Horst «Bäume west unten», ersetzt. «Birke»: Anstelle eines Unberingten brütet HES SG657, 2014 Brutstorch auf Horst «Bäume süd». «Bäume süd» HES SG657 wechselt auf den Horst «Birke» und wird durch den Jungstorch, HES SG929, 2012 in Altreu geschlüpft und seither in Spanien, im Neeracherried, Sursee und Zoo Zürich abgelesen, ersetzt. «Schweinescheune»: HES SG757, der 2014 auf der Schweinescheune gebrütet hatte, ist nach Rapperswil abgezogen und brütet neu auf dem Spinnereikamin. Der/die unberingte Partner/In muss lange auf «Ersatz» warten, bis sich endlich, Ende Mai, ein unberingter Storch anbiedert. Man kopuliert und nistet, für einen Bruterfolg ist es aber zu spät im Jahr.

Von den Störchen der 2015 aufgegeben Horste kann folgendes berichtet werden

«See süd»: HES SG945 ist nach Uznach abgezogen und nistet dort auf dem Horst «Buche Schwalbenheim». «Bäume nordost»: Das Paar, HES SA826 / oR, hat, wie oben erwähnt, den Horst «Bäume west 14» neue gebaut und sich dort in luftiger Höhe eingerichtet. «Bäume west unten»: Das 2014 hier brütende Paar hat sich aufgelöst. HES SG948 brütet nun anstelle des Parisers auf dem Horst «Bäume west 12», HES SG535 ist an die Silberweide gezügelt und brütet dort auf dem Horst Silberweide oben». «Bäume oben 09»: Dieser Horst, 2014 vom Paar, DER A6548 / oR, besetzt, stürzte nach der Brutsaison 2014 ab. Das Paar findet es nicht nötig, den Horst wieder aufzubauen. So kehrt DER A6548 wieder nach Rapperswil zurück, seine Anwesenheit im Hasel war also nur ein Gastspiel. Schlussendlich wird also auf 13 Horsten gebrütet, auf drei Horsten weniger als 2014.

Brutverlauf

Der Brutbeginn von elf der 13 Paare liegt zwischen dem 20. März und dem 5. April. Nur das Paar vom Horst «Bäume oben 13», dessen unberingter Partner erst am 10. April eintrifft, beginnt mit dem Brüten etwa Mitte April. Noch später, wenn überhaupt, geht die Brut auf der Schweinescheune los, da sich das Paar ja erst Ende Mai findet – und den Horst danach auch bald wieder verlässt. Zwölf Paaren gelingt es, bei relativ warmem Wetter mit zwar vielen Niederschlagsphasen von jeweils aber kurzer Dauer, Gehecke von zwei bis fünf Jungen gross zu ziehen und nur auf einem, dem Horst «Birke», geht Ende Mai nach einer Regenperiode die ganze Brut ein.

Beringung

Am 9. Juni fährt die Feuerwehr Hombrechtikon mit der ADL (Autodrehleiter) im Hasel auf. Noch ist ungewiss, wie viele Junge oben auf den Horsten auf ihren Ring warten. Voller Spannung ist also der Blick von hoher Warte aus in die Nester. Und siehe da, 33 Junge ducken sich in den elf mit Bruterfolg gesegneten Horsten. Es ist die höchste Jungenzahl, die je im Hasel beringt wurde. Voller Freude werden sie mit den Ringen, HES SK142 bis HES SK174, gekennzeichnet.

Wegzug der Störche

Die Ausflugsphase der Jungstörche verläuft bei besten Witterungsbedingungen mit nur einer nennenswerten Besonderheit. Schon am 9. Juli haben mindestens acht Junge ihren Jungfernflug hinter sich und am 24. Juli haben schon 16 Junge ihren Horst verlassen. Nur bei den späteren Bruten («Bäume oben 13», «Bäume west 12», «Bäume süd») weilen noch alle Jungen auf dem Nest. Alles läuft problemlos, bis am 29. Juli Eberhards doch noch etwas Unerfreuliches entdecken. Sie finden nämlich im Haselwald den Ring eines diesjährigen Jungen, SK149. Was ihm geschah bleibt ungewiss. Am 5./6. August findet dann der grosse Exodus unserer Störche statt. Eberhards berichten: «Am 5. August sahen wir wohl gegen 100 Störche über dem Ried kreisen, die dann in der folgenden Nacht in den Bäumen und auf den Scheunendächern des Hasels und auf der Eiche Richtung Hueb übernachteten. Am 6. August liessen sich fast alle Störche gegen den Mittag hin in die Höhe tragen und seien westwärts weggezogen.» 

Bei der Zählung am 14. August ist es im Hasel fast traurig leer. Nur gerade sieben Adebare können festgestellt werden, darunter noch zwei der diesjährigen Jungen. 

Die Jungstörche vom Hasel sind auf dem Zug nach Süden. Von drei unserer diesjährigen Jungen liegen bereits Beobachtungsmeldungen vor. SK164: wird am 7. August in Beromünster LU abgelesen, also einen Tag nach dem Wegzug bei uns. SK158: wird am 10. August in Brütten ZH abgelesen. SK152: wird am 10. Oktober als Stromopfer in Albocador de Montoliu E gemeldet.

Überwinterer

Auch dieses Jahr verbringen ein paar Störche den Winter in der Umgebung des Hasels. Leider liegen (noch) keine Ringablesungen zu ihrer genauen Identifikation vor. Trotzdem darf angenommen werden, dass es sich um Störche handelt, die den Sommer über bei uns weilten. Die am Lützelsee festgestellten Tagesmaxima sind: September sechs, Oktober vier, November zwei.

Besucherstörche

Wohl die aussergewöhnlichste Ringablesung am Lützelsee ist die eines Storches aus Schweden. Am 14. August weilt er in einer Gruppe von sieben Störchen. Am rechten Lauf trägt er einen schwarzen ELSA-Ring und am linken drei schmale Farbringe mit den Farben von oben nach unten, Grün, Blau, Schwarz. Der ELSA-Ring mit der Identnummer ist ziemlich verkotet, so dass vom Kennzeichen der Beringungsstation nur die ersten zwei Buchstaben erkennbar sind, nämlich, SV.. Laut dem Euring-Verzeichnis gibt es nur eine Beringungs-Station mit dem Kürzelbeginn, SV, nämlich die aus Stockholm, SVS. Die eigentliche Ringnummer ist gut sichtbar und lautet 1982. Die inzwischen eingetroffene Ringfundbestätigung aus Stockholm verrät, dass dieser Storch am 25. Juli 2015 in Veberöd, Hemmestorps Mölla als Jungvogel beringt wurde – und drei Wochen später bei uns auf dem Zug nach Süden eine Rast eingeschaltet hat. Am 9. April gelingt es, einem von zwei auf der Eiche Richtung Hueb stehenden Storch die Ringnummer abzulesen. Sie lautet: HES SH793. Dieser Storch ist ein Junger vom Hasel des Jahres 2014. Er wurde am 18. Februar 2015 in Montoliu de Lleida, Spanien, abgelesen. Er ist also artgerecht nach Süden gezogen, jedoch aber, und dies ganz unüblich, schon im ersten Lebensjahr wieder an seinen Ursprungsort zurück gekehrt. Nach unserer Beobachtung wird er auch im Zoo Zürich und im Rällikerried beobachtet. Im Verlaufe des Jahres können noch von zehn weiteren Besucherstörchen Ringnummern abgelesen werden, sieben von Schweizerstörchen und drei von Störchen aus Deutschland: SG062 5.1.15; SH360 4.1.15; DER AU053 9.7.15; SG350 26.2.15; SH255 28.5.15; SH781 8.5.15; SG773 27.4.15; DER AJ747 20.3.15; DER A6548 26.2.15; SG948 20.3.15.

Ringfunde von in Hombrechtikon beringten Störchen

Übers Jahr sind von der Vogelwarte Sempach und von Storch Schweiz folgende Ringfundmeldungen über Störche eingegangen, die in Hombrechtikon beringt wurden. Bei vielen liegt das Funddatum vor dem Jahr 2015. Die folgende Liste ist nach folgendem Schema gegliedert:

Ring-Nr. Beringungsdatum Funddatum Fundort Bemerkungen
SA648 12.6.2003 2015 Altstätten SG Brutvogel
SA826 14.6.2004 2007 bis 2015 Hombrechtikon Brutvogel
    11./12.10.2014  Marza E Ring abgelesen
SA922 10.6.2005 2014 Balzhausen D Brutvogel 
SA926 10.6.2005 2015 Uznach SG Brutvogel
SE227 13.6.2006 2014 Murimoos AG Brutvogel
  12.10.2014 Marza E Ring abgelesen
SE228 13.6.2006  2014 und 2015 Uznach SG Brutvogel
    29.9.2015 Zaragossa E Ring abgelesen
SE250 8.6.2007 2014 und 2015 Uznach SG Brutvogel
SE255 8.6.2007 2014 und 2015  Mönchaltorf ZH  Brutvogel
SE284 5.6.2008 16./17.1.2014 Llerida E Ring abgelesen
SE285 5.6.2008 2015 Uznach SG Brutvogel
SE286 5.6.2008 2014 Uznach SG Brutvogel
SE287  5.6.2008 2014 und 2015 Uznach SG Brutvogel
SE294 5.6.2008 2014 und 2015 Dinkelscherben D Brutvogel
    Über das Brutgeschehen in Dinkelscherben werden wir vom dortigen Storchenbetreuer kontinuierlich informiert. So wissen wir, dass unsere Storchendame auf dem Dach der St.Annakirche sechs Eier legte, vier Junge schlüpften und letztendlich zwei Junge ausflogen. 
SE628  2.7.2008 8.6.2015 Pattelage-aux-Lacs F Ring abgelesen
SE631  5.6.2009 25.1.2013 Almagro E Ring abgelesen
    Fast vier Jahre dauerte es bis SE631 einem Ornithologen vor die Linsen kam und gar fast sechs Jahre mussten wir warten, bis wir im März 2015 sein erstes und bis jetzt einziges Lebenszeichen erhielten.   
SE636 5.6.2009 2014 Rottenschwil AG Brutvogel
    11./12.10.2014 Marza E Ring abgelesen
    25.10.2014 Estany de Vilaut, Pau E Ring abgelesen
SE643 5.6.2009 2014 und 2015 Uznach SG Brutvogel
SG327 10.6.2010 2013 Maur ZH Brutvogel
    2014 und 2015 Uster ZH Brutvogel
SG329 10.6.2010 4.9.2014 Mecanitzats Gurri E tot
SG335 10.6.2010 2013 und 2014 Böhringen D Brutvogel
SG368 10.6.2011 13.4.–20.5.2015 Sempach LU Ring abgelesen
SG377 10.6.2011 2014 Böhringen D Brutvogel
SG378 10.6.2011 2013, 2014, 2015  Zoo Zürich ZH Brutvogel
SG380 10.6.2011 2014 Mühlbach D Brutvogel
SG381 10.6.2011 14.2.–8.5.2014 Bruges F Ring abgelesen
SG382 10.6.2011 14.1.–11.2.2015 Petit Mandirac, Narbonne F Ring abgelesen
SG773 7.6.2012 SG773 war kurz nach der Beringung Opfer eines Horstabsturzes. Wir brachten den angeschlagenen Jungen in die Storchenstation Uznach zur Pflege, von wo er dann im Herbst 2012 normal wegflog. Sein trauriges Jugenderlebnis des Horstabsturzes scheint er verkraftet zu haben. Nun das Neueste von ihm: 
    12.–19.1.2015 Quingey F (Doubs 25) Ring abgelesen
    10.4. – 20.4.2015 Rapperswil SG Brutbeginn
    27.4.2015 Hombrechtikon ZH Ring abgelesen
    7.5.2015 Rüti ZH Ring abgelesen
    16.7.2015 Bubikon ZH tot, Stromschlag
SG775 7.6.2012 16.2.–23.2.2015 Spanien Ring abgelesen
SH058 7.6.2012 14.2.2015  Marza E Ring abgelesen
SH766 10.6.2014 29.8.2014 Düdingen FR Ring abgelesen
SH770 10.6.2014 1.7.2015 Gater, Ungarn Ring abgelesen
    Dass ein bei uns geschlüpfter Storch im Ostzieherbereich abgelesen wird, ist sehr ungewöhnlich.  
SH781 10.6.2014 8.5.2015 Hombrechtikon ZH Ring abgelesen
SH782 10.6.2014 11.6.2015 Raisting D Ring abgelesen
SH783 10.6.2014 26.8.2014 Tallo E Ring abgelesen
SH793 10.6.2014 18.2.2015 Montoliu de Llerida E Ring abgelesen
    9.4.2015 Hombrechtikon ZH Ring abgelesen
    15.4.2015 Zoo Zürich ZH Ring abgelesen
    16.5.2015 Rällikerried ZH Ring abgelesen
SH794 10.6.2014 4.9.2014 Albaterrech E tot, Stromschlag
    Erleidet auf seinem ersten Flug in den Süden, erst rund 4 Monate alt, den Stromtod.  

Neues vom Feldbacher Storchenpaar des Jahres 2014

Bei mehreren Beobachtungstouren können im Frühjahr 2015 auf dem Pappelhorst am Feldbacher Horn keine Störche beobachtet werden. Am 12. März erklärt sich ihr Fehlen. Sie sind umgezogen nach Oetwil. Sie haben sich dabei auch getrennt. Der eine nistet mit einem der letztjährigen Horstbesitzer auf dem Bolligerhorst, der andere mit einem unberingten Partner auf dem Horst «In der Farb 4B». 

Am Lützelsee brüteten weniger Storchenpaare als 2014, aber...

2015 haben definitionsgemäss 13 Storchenpaare gebrütet. Zählt man die fragliche Brut auf der Schweinescheune ab, sind es sogar nur deren zwölf. Das sind vier Paare weniger als 2014. Uns ist es recht so, denn die im Hasel herrschende Häufung von 16 Paaren innerhalb eines Umkreises von 50 Metern war wahrhaft unverhältnismässig gross. Die bei uns festgestellte Brutpaarabnahme darf aber nicht als Hinweis auf eine grundsätzliche Abnahme der Storchenpopulation gedeutet werden. Regionale Zählungen zeigen nämlich auch in diesem Jahr eine Zunahme der Storchenpaare – und das Erfreulichste ist – die Brutstandorte dezentralisieren sich.

Freuen wir uns trotz weniger Paare über das vergangene, mit einem noch nie da gewesenen Jungenerfolg gekrönte, Storchenjahr 2015. Mit dem herzlichen Dank an alle, die zum guten Gelingen beigetragen haben, hoffe ich auf ein weiteres, spannendes Storchenjahr im Hasel.

Max Zumbühl