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Aus der Geschichte des Ornithologischen Verein Hombrechtikon

1912

Am 24. Februar 1912 gründeten fünf Mitglieder den Ornithologischen Verein Hombrechtikon mit dem Zweck der Förderung der Geflügel- und Kaninchenzucht und der freilebenden Singvögel. Der Gründungsbeitrag pro Mitglied betrug einen Franken, so dass Kassier Lehrer Angst ein Vereinsvermögen von 5 Franken zu verwalten hatte.

1914

Die Fütterung der freilebenden Vögel auf Vogelbrettern im Winter und das Anbringen von Nisthöhlen in Obstgärten und Wäldern war dem Gründungspräsidenten Jakob Wiederkehr ein grosses Anliegen. An Mitglieder wurden sogar drei Kilo Vogelfutter gratis abgegeben.

1915

Der Vorstand beschloss einen Stempel anzuschaffen um offizieller aufzutreten. Der kleine, robuste Stempel war bis vor wenigen Jahren noch im Einsatz.

1914 bis 1918

Kriegszeit! In diesen Jahren war die Futterbeschaffung für die Kleintierzüchter ein grosses Problem. Viele Tiere mussten aus Futternot oder um den Hunger ihres Besitzers zu stillen, ihr Leben lassen.

Der Präsident brachte es mit List fertig, ausreichend Futter zu besorgen. Die Mitgliederzahl stieg innert Kürze auf 120, mehrheitlich jedoch Passivmitglieder.

1920

Immer wieder, so auch an der Quartalsversammlung im Sternen, war die Schaffung eines Vogelschutzgehölzes Traktandum. Es dauerte allerdings noch zehn Jahre bis zu dessen Verwirklichung.

1924

Nach Kriegsende vergassen viele den OVH, da kein Futtermangel mehr herrschte. Dafür hatte die Vereinskasse chronischen Geldmangel. Eine Auflösung wird an der GV diskutiert. Aus dem handschriftlichen Protokoll: «Der Präsident wünscht, dass der Verein in gleicher Weise wie vorher fortgeführt werde.»

Es wurde beschlossen, ein sofortiges Gesuch an den Gemeinderat zu stellen betreffend Unterstützung des Vereins aus den Jagdgebühren, die den Gemeinden zufallen.

1931

Mit mageren Fr. 36.40 startete der Verein ins Jahr. Eine Lokalausstellung mit Jungzüchtern wurde dennoch organisiert und brachte mit einem stattlichen Reingewinn von Fr. 1731.65 die Kasse fast zum Platzen. An der GV im Sommer wurde als erste Frau Pauline Pfister in den Vorstand gewählt.

1932

Für die freilebenden Vögel wurde ein Schongebiet mit «Brombeeren, weiss & schwarz Dornen und Sephir bepflanzt» und am Fasnachtssonntag um 9 Uhr eingeweiht. Ebenso wurden in Feldbach 30 Nistkästen gratis verteilt.

1935

Das 25-Jahr-Jubiläum wurde gefeiert. Der Verein war erfreulich gewachsen auf rund 50 Mitglieder. Über jedes Mitglied verfasste Präsident Fritz Muschg für die Festbroschüre einen gereimten Vers:

Au de Goldschmid Paul ischt en rechte Ma,
er sötti nu echli meh Zyt zur Verfüegig ha;
Gahts an en Uusstellig, holt er en Becher gschwind,
defür hät er aber au all Jahr es Chind.

Det unne im Langacher tuet eine wirte,
d’Frau tuet em aber d’Hüehner hirte,
d’Versammlige mues er meistens verpasse,
er mues ebe mit de Stammgäst jasse.

Aber auch tiermässig hatte der Verein zugelegt. Im Jubiläumsjahr zeigte die Statistik folgende Zahlen:
Hofgeflügel* 467
Wassergeflügel 55
Tauben 26
Pfauen u. Fasanen 26
* Kaninchen und Hühner in 24 Rassen

Die 8. Oberländer-Verbandsausstellung wird durchgeführt. Die Werbung mit wundervollen farbigen Plakaten war ein Novum.

1942

Während des Krieges erreichte ein Brief der Aktion «Metallspende für Arbeit und Brot» den Verein. Um 250’000 Arbeiter der Metallindustrie weiterzubeschäftigen, wurde Bronze, Messing, Aluminium, Zinn, Nickel, Blei, Zink gesammelt. Die Vereine wurden aufgefordert, Medallien, Kelche, Pokale abzugeben.

Der OVH aber wollte sich nicht von seinen Trophäen trennen.

1948

Alt-Präsident Heusser beantragte das Lützelseeufer zur Brutzeit zu schützen.

1949

Einige Mitglieder zimmerten unter der Federführung des Kaninchenobmanns in der Freizeit 100 Nistkästen, die anschliessend über die ganze Gemeinde verteilt wurden.

Nistkastenkontrolleuren wurde für die winterliche Reinigung und Kontrolle der Kästen 30 Rappen pro Kasten zugesprochen.

1950/51

Dass die Organisation von Ausstellungen Geld einbrachte, hatte der OVH erfahren. Etwas Besonderes liess er sich für die Ausstellung über die Jahreswende 1950 einfallen. Niemand musste Standgeld entrichten um seine Tiere zu präsentieren, dafür sollten alle in der Schweiz lebenden Rassen vertreten sein. Der Erfolg war gross: 35 Kaninchenrassen in verschiedensten Farbenschlägen und 95 Geflügelrassen konnte das Publikum bestaunen. Trotz Risiko und Gratiseintritt lagen nachher 1600 Franken in der Kasse.

1953

Aus dem GV-Protokoll: «Im Hinblick auf die neue Jagdpachtverordnung wird der OVH dem Gemeinderat ein Gesuch stellen, den Lützelsee zum Schongebiet zu erklären.»

In einem späteren Protokoll ist zu lesen: «Gesuch wird bachab geschickt, da erstens mit einem Pachtzinsausfall gerechnet werden muss und zweitens ein Wildpark entstehen könnte.»

1954

Das Aussetzen von Schwänen auf dem Lützelsee wurde diskutiert. Das Problem war die Überwinterung und die Unterbringung.

1960

Der Vogelschutzobmann meldete, dass insgesamt 576 Nistkästen in Hombrechtikon hängen. Davon waren 74% mit Nutzvögeln (Meisen, Rotschwanz, Kleiber) besetzt, 8% von Spatzen und der Rest von Fremdlingen (Hornissen, Schläfern) oder leer. Der fünf Jahre zuvor aufgehängte Eulenkasten war immer noch leer.

1968 (2)

Ein weiterer Versuch startete beim Seeweidsee: Erstmals wurden Amphibien über die Strasse getragen.

Unter Anleitung von Luzi Philipp wurden beim Seeweidsee die ersten Amphibienzäune errichtet. Seither retten Helfer jeden Frühfrühling über 1000 Frösche, Kröten und Molche am Seeweidsee, in der Herrgass und beim Höchgasswäldli.

1968 (1)

An einer Versammlung Mitte Jahr fiel der Vorschlag, durch das Aufstellen von Masten mit Wagenrädern die Ansiedlung von Störchen am Lützelsee zu probieren. Mitten im Lutikerried wurde ein Stangenhorst aufgestellt.

Schon im nächsten Jahr wurde die Horstunterlage besucht. Zum Nestbau und einer Brut ist es aber leider nie gekommen.

1972

Im Lützelseegebiet wurden Fasane ausgesetzt. Leider konnte der farbenprächtige Jagdfasan schon bald nicht mehr beobachtet werden.

1975

Präsident Ernst Kundert wurde an der GV 1975 für seine 30-jährige Mithilfe im Vorstand geehrt. Noch im selben Jahr starb er viel zu früh im Alter von 52 Jahren. Ernst Kundert war ein begeisterter Ornithologe und eifriger Kleintierzüchter. Nach der Aufgabe der Geflügelzucht widmete er sich mit Erfolg der Zucht von Komorner-Tümmler-Tauben.

1976

Die Anschaffung eines Fernrohres wurde beschlossen und künftig wurde es auf allen unseren Exkursionen und am Bergvogelwochenende mitgeschleppt.

1980

Nach der Genehmigung des Pflege- und Gestaltungsplans «Tüfi» wurde im Riedgebiet ein Torfstich/Weiher ausgehoben. Seit damals treffen sich OVH-Mitglieder alljährlich im September zur «Tüfistreunete» und im Januar zum Holzitag.

1981

Zu Weihnachten beglückte der damalige Präsident Ernst Sonderegger die OVH-Mitglieder mit dem ersten OV-Aktuell. Die Vereinszeitschrift hat bis heute überlebt. Sie erscheint 3-mal jährlich seit bald 40 Jahren.

1982

An den Feierlichkeiten «150 Jahre Volksschule» serviert der OVH Poulet im Chörbli.

Im darauf folgenden Jahr lag an der Chilbi erstmals neben Magenbrotduft auch Pouletduft in der Luft. Die Chilbi-Poulet-Beiz hat noch heute ihren Stammplatz und freut sich jedes Jahr zahlreicher Besucher.

1986

Im November startete der OVH im Rahmen des Projektes «Wiederansiedlungsversuch für den Weissstorch in der Schweiz» im Hasel eine Aussenstation. Die Familie Eberhard stellte spontan den Platz zur Verfügung. Der OVH errichtete die Gehege und Horste. Fünf Jahre lang versorgten OVH-Mitglieder die Störche täglich mit Wasser und Futter, jahraus, jahrein ob’s regnete oder schneite.

Die Störche fühlten sich wohl im Hasel und blieben. Heute klappern sie auf rund 14 Horsten und je nach Witterung überleben bis zu 30 Junge, die beringt, im Herbst südwärts fliegen.

Endlich ist es soweit. Im Hasel wird mit dem Bau des Geheges der «praktische Teil» des Storchenprojektes gestartet.

1988

Für die Aktion «Hochstamm-Bäume» interessierten sich erstaunlich viele Bauern. Unser Hochstämmer-Abig war gut besucht. Schliesslich konnten etwa 280 junge Hochstämmer gepflanzt werden.

1991

Im Gebiet Langgass-Trüllisberg wurde der Waldlehrpfad eingeweiht.

Noch heute, nach einigen Renovationsarbeiten durch unsere Mitglieder Walti Gross und Jakob Müller, erklären die lehrreichen Tafeln interessierten Wanderern kleine und grosse Naturgeheimnisse.

1993

Ein Jahr ganz im Zeichen der «Höhlenbewohner» mit Vorträgen und Exkursionen über Specht, Siebenschläfer und Fledermaus.

1995

An einer Ausstellung auf Hof Breitlen mit dem Schweizerischen Angorazüchterverband wurde gezeigt, wie Angorawolle gesponnen und verfilzt wird und wie aus Kaninchenfellen Gilets, Tierchen usw. genäht werden.

2001

Um Flugrouten und Todesursachen festzustellen, wurden im Rahmen der Aktion «SOS-Storch» drei Hombrechtiker Jungstörche «Lützgi», «Hombi» und «Pfäffi» besendert.

Pfäffi kam schon in Spanien in einer Stromleitung zu Tode. Hombi brachte es wenigstens bis Algerien, wo er wahrscheinlich erlegt wurde. Lützgi überraschte mit einer ungewöhnlichen Route Südspanien retour, dann der Riviera entlang nach Italien. Dort war er bis 2006 als Brutstorch registriert.

2002

Ernst Sonderegger baute unsere Webseite www.ov-hombrechtikon.ch auf, die aktuell über geplante und durchgeführte Aktivitäten berichtet. Sie führt zu vielen Fotos und einer Datenbank über in Hombrechtikon beobachtete Vögel.

Eine der unvergesslichen vogelkundlichen Auslandreisen: Mit Wohnboot und Fahrrad in Nordholland.

2003

Das Val Frisal oberhalb Brigels war das Ziel unseres alljährlichen Bergvogelwochenendes im Juli. Unvergesslich bleibt uns der Adler, der sich vor unseren Augen auf ein Murmeltier stürzte und damit in den Horst in der Felswand zurückflog.

Unter Mithilfe eines Muotataler Bauern wurde im September in der Tüfi eine Triste errichtet, wie sie früher zur Streuelagerung in allen Rieden standen.

2005

Max Zumbühl trat als Natur- und Vogelschutzobmann nach 20 Jahren unermüdlichen Schaffens zurück. Sein riesiges Arbeitspaket mit Amphibienschutz, Exkursionen, Avimonitoring, Nistkastenbetreuung, Storchenbetreuung und Biotoppflege wurde in Ressorts aufgeteilt und je ein Verantwortlicher berufen.

2006

Der OVH organisierte die Schweiz. Jungtaubenausstellung mit 800 Tauben unterschiedlichster Gestalt und Farbenpracht. Der Weg der Tauben zwischen Gemeindesaal und Gmeindmattturnhalle brachte den Besuchern die Geschichte der Taubenzucht näher.

2007

Bereits seit zehn Jahren ist der OVH jeden Oktober mit «Kleinvieh beim grossen Vieh» an der Viehschau auf dem Blattenareal zu Gast. Der Streichelzoo bringt Kindern unsere Kleintiere näher.

2008

Seit 20 Jahren fliegen Störche im Hasel. In den 20 Jahren gab es 164 Bruten, 102 davon mit Jungen. Beringt und ausgeflogen waren 252 Jungstörche.

«S isch wieder Maiezyt» – eine Ausstellung für Naturinteressierte auf der Dörflischulhauswiese.

2009

Dieses Jahr widmete der OVH unter Federführung von Ernst Sonderegger den Wildbienen. Ein Kurs für «Wildbienennisthilfen» wurde doppelt geführt. Ein grosses Wildbienenhaus steht beim Dorfeingang in der Holflüe.

2011

Seit 1995 sind wir jeden Herbst am Internationalen Vogelzugtag (Birdwatch) mit einem Beobachtungsstand auf der Lutikerhöhe stationiert, um die südwärts ziehenden Vogelschwärme zu erfassen.

2012

Der OVH feiert sein 100-jähriges Bestehen im Rahmen einer kleinen Feier im Reformierten Kirchgemeindesaal.

Die Präsidenten der letzten 107 Jahre:
1912–1931    Jakob Wiederkehr
1931–1933    Hermann Berner
1933–1945    Hans Heusser
1946–1954    Fritz Muschg
1954–1975    Ernst Kundert
1975–1979    Luzi Philipp
1979–1989    Ernst Sonderegger
1989–1995    Erich Halter
1995–2002    Fritz Schweizer
2002–2012    Ruedi Goldschmid
seit 2013        Ernst Honegger

2016

Am 21. und 22. Mai 2016 feierten wir das Jubiläum «30 Jahre Störche im Hasel am Lützelsee». Mit einer Ausstellung hielten wir Rückschau auf die 1986 vom OVH mit der Gehegehaltung und Auswilderung von Störchen begonnene Wiederansiedlung von Störchen am Lützelsee. Als 22. Aussenstation Altreus betreuten wir während fünf Jahren in einem offenen und einem geschlossenen Gehege die für den Freilass vorgesehenen Störche. Über Fotos und Statistiken erinnerten wir uns an die in Frondienst errichteten Gehege, die jahrelang bei jeder Witterung von den Vereinsmitgliedern vollbrachten Fütterungen und natürlich über den geglückten Erfolg unserer Arbeit, die sich durch die heutige Anwesenheit von bis zu 16 Brutpaaren klappernd manifestiert und bis heute 437 Junge zum Ausfliegen brachte.

2019

Der OVH führt vom 11. bis 13. Januar 2019 die 85. Zürcher Oberländer Verbands­ausstellung durch. Angeschlossen sind die Schweizerische Dreifarbenschecken Klubschau sowie die Kantonale Taubenausstellung. Die Tiere präsentieren sich in der Turnhalle Gmeindmatt und im katholischen Kirchgemeinde­saal. Für das leibliche Wohl ist gesorgt im Gemeindesaal Blatten.